Tang Lang Quan

Das chinesische Wort Kung Fu bzw. „Gong Fu“, so die korrekte Schreibweise, beschreibt eine Fähigkeit, die man durch intensives Training erworben hat. Grundsätzlich kann es sich dabei also auch um andere Fähigkeiten handeln.

Die korrekten Ausdrücke für chinesische Kampfkunst lauten Wushu (Kriegs-Methode), Quan Shu (Faust-Methode)  etc..

Der Begriff Gong Fu, meist jedoch in seiner falschen Schreibweise (Kung Fu), hat sich jedoch heute soweit auf der Welt durchgesetzt, dass er zu einer Art Oberbegriff für die chinesischen Kampfkünste geworden ist.

Kampf- bzw. Verteidigungsmethoden haben sich in allen Kulturen entwickelt, um sich gegen wilde Tiere, Angriffe von Einzelpersonen oder Feinde von außen zu wehren. Ohne ein hohes Potential an Kampfkraft hätte keine Kultur dieser Welt überlebt.
Auch wenn die Verteidigungsmethoden sich im Laufe der Zeit gewandelt haben und aus ausgebildeten Soldaten mit Speer und Säbel Raketensilos oder mit atomaren Waffen bestückte U-Boote geworden sind, besitzen die meisten Länder diese effektive Waffen gegen Angriffe von außen.
Kampfkunst zur Steigerung der Verteidigungsfähigkeit dient heute fast ausschließlich der Selbstverteidigung und spielt in der Kriegskunst allenfalls eine untergeordnete Rolle.
Trotzdem gilt es heute als bewiesen, dass die Kampf- und Bewegungskünste Chinas neben einer gesteigerten Selbstverteidigungsfähigkeit einen positiven Einfluss auf den Bewegungsapparat des Menschen haben und Kraft und Motorik bis ins hohe Alter erhalten.
In der Geschichte Chinas haben sich über Jahrhunderte unzählige Kampfkünste und Stile entwickelt.

Neben äußeren, inneren, südlichen und nördlichen Stilen gibt es unzählige Unter- oder Familienstile.
Allein durch seine Größe wurde das chinesische Reich von der westlichen Technisierung lange nicht beeinflusst. Obwohl die fleißigen Chinesen viele technologische oder medizinische Entdeckungen weitaus früher machten und gegenüber der westlichen Welt vor ca. tausend Jahren in manchen Bereichen sicher weiter entwickelt waren, führte diese Größe des Landes zu einer Art technologischem „Schneewittchenschlaf“.

Nur diesem Umstand ist es zu verdanken, dass einige dieser Stile und auch der effektive Umgang mit traditionellen Waffen zu einem Teil noch unverfälscht existieren.

Hao Jia Taiji Mei Hua Tang Lang Quan

(Übersetzung: „Der fließende Energie-Pflaumenblüten-Gottesanbeterinnen Stil der Hao Familie“)

Geschichte:

Tang Lang Quan gehört zu den wenigen noch existierenden, traditionellen, nördlichen Gong Fu Stilen Chinas und wurde vor ca. 450 Jahren von dessen Stilbegründer Wang Lang aus der Beobachtung von kämpfenden Gottesanbeterinnen entwickelt. Die spezielle Beinarbeit (bu fa) stammt zum großen Teil aus der Beobachtung von Gibbons.

Wang Lang lebte in der Provinz Shandong und führte eine Rebellenarmee gegen die Invasoren der Qing aus dem Norden. Noch heute wird Tang Lang Quan in vielen Provinzen Chinas trainiert und ist wahrscheinlich der größte existierende Gong Fu Stil in- und außerhalb Chinas.

Schwerpunkte (die Definition unseres Stils durch Wang Lang):

suo • xiao • ruan • mian • qiao

Dem Gegner wenig Angriffsfläche geben kurze, schnelle Bewegungen die Kraft des Gegners umleiten und gegen ihn verwenden die Reaktion des Gegners durch Folgetechniken ausnutzen die Schwachpunkte erkennen und ausnutzen

Die Legende unseres Stils:


Vor etwa 450 Jahren lebte in China ein Mann namens Wang Lang. Er stammte aus der Provinz
Shandong und war ein sehr talentierter und kluger Mann. Er reiste lange Zeit durch das Reich der Mitte und lernte verschiedene Kampfkünste.
Nur gegen einen Freund, den besten und erfahrensten Kämpfer, gewann er nicht, so sehr er sich
auch anstrengte.
Eines Tages, nachdem er wieder einen Kampf gegen den Freund verloren hatte, spazierte er trübsinnig durch das Laoshan Gebirge und dachte darüber nach, wie er seine Fähigkeiten verbessern könnte.
Erschöpft setzte er sich ins Gras und ruhte sich aus.
Plötzlich hörte er das laute Zirpen einer Zikade, und neugierig schaute er auf. Erstaunt sah er, wie eine Gottesanbeterin mit ihren Fangarmen innerhalb weniger Augenblicke eine um ein vielfaches größere Zikade besiegte.
Er beschloss, die Gottesanbeterin genauer zu studieren. Er fing sie ein und nahm sie mit zurück nach Hause. Dort nahm er kleine Stöckchen und provozierte damit das Insekt. Mehrere Monate studierte er im Geheimen die Bewegungen und Fangschläge, die die Gottesanbeterin mit ihren kräftigen Vorderarmen ausführte. Er übertrug die Bewegungen auf die menschliche Anatomie und entwickelte schließlich mehrere Techniken, die die Greif- und Fangbewegungen imitierten. Nachdem er dies getan hatte, forderte er den Freund aufs Neue heraus.

Die Techniken, die Wang Lang nun anwendete, waren so erfolgreich, dass er ihn innerhalb weniger Augenblicke besiegte.
Zusammen vervollkommneten sie die neuen Bewegungen - Schlagtechniken aus vorhandenen Stilen wurden eingearbeitet, und zu den Fangschlägen der Gottesanbeterin, die mit den Armen ausgeführt wurden, wurden die Beintechniken des Gibbon-Stils hinzugenommen, denen das Tang Lang Quan seine typische Beinarbeit verdankt.

So entstand ein neues Kampfsystem, ein neuer Gong Fu Stil: Tang Lang Quan oder -in englisch-
Praying Mantis Boxing.

Im Laufe der Jahre und Generationen entwickelten sich mehrere eigenständige Stilrichtungen des
Tang Lang Quan. Allen gemein sind aber die Grundprinzipien, die Wang Lang entwickelte – die kontrollierenden, fesselnden Arme der Gottesanbeterin und die flinken Beine des Gibbons.

Die größten heutigen Tang Lang Stile sind:
Mei Hua Tang Lang Quan (Plum Blossom/ Pflaumenblüten Tang Lang)
Qi Xing Tang Lang Quan (Seven Star/ Sieben Sterne Tang Lang)
Liu He Tang Lang Quan (Six Harmony/ Sechs Harmonie Tang Lang)