Selbstverteidigung

„Wille“ und „Technik“
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Die Grundpfeiler der Selbstverteidigung -

In der heutigen Zeit, in der Gewalt sicher eine neue „Qualität“ angenommen hat, die Zahl und Gewaltbereitschaft  der Täter zunimmt, fragen sich viele Menschen, wie sie sich gegen solche Übergriffe wappnen können und welches Verhalten in solchen Situationen das Beste ist.
Jüngste Ereignisse, bei denen beherzte Helfer zu Opfern wurden, bestärken unsere Ängste und leider oft auch den Glauben, einfaches Wegsehen wäre die beste Lösung.
Übergriffe von Gruppen, besonders mit sexuellem Hintergrund auf Frauen, jedoch häufig auch durch reine, stumpfe Gewalt gegen Männer, schüren Angst und Ohnmacht.
Was tun, wenn man in solch einer Gesellschaft selbst Ziel eines gewaltsamen Übergriffes wird? Wenn keiner hilft und man selbst mit der Situation absolut überfordert ist?

Diese Frage beschäftigt auch die Profis sämtlicher Kampfsportarten und Kampfkünste zunehmend.

Um sich effektiv gegen Übergriffe zu schützen, reicht es eben bei weitem nicht aus, ein Wochenend-Selbstverteidigungsseminar zu besuchen oder eine Dose Pfefferspray in der Tasche zu haben.

Die Frage, wie lange es braucht, um sich „effektiv“ verteidigen zu können, hören wir Lehrer regelmäßig.

„Wille“

Neben den geschlechtsspezifischen Unterschieden (Größe, Kraft) stehen dabei in erster Linie der reine Wille zur Verteidigung und der Umgang mit der Angst in einer Extremsituation im Vordergrund!
Systeme, die versprechen sich in kürzester Zeit effektiv verteidigen zu können, sollte man daher eher skeptisch betrachten.

Die ehrliche Antwort auf diese Frage klingt also eher simpel und stumpf:

„Es braucht genau so lange, bis man es begriffen hat!“

Der unbedingte Wille, sich mit allen Mitteln zu verteidigen steht dabei absolut im Vordergrund. Egal, ob Anfänger oder Profi:

„Wer sich mit allen Mitteln verteidigt, solange er bei Bewusstsein ist, hat noch nicht verloren! – Wer resigniert - hat verloren, denn jetzt entscheidet der Angreifer, wann er genug hat.“

Dies ist eines der wenigen Grundprinzipien, die ich meinen Schülern immer wieder vermittle.

Ohne diesen absoluten Willen brauchen wir nicht über Techniken zu sprechen, da diese ohne den Willen nicht funktionieren.
Sowohl in meiner Zeit als Türsteher als auch als Gong Fu Lehrer habe ich immer wieder beobachtet, das Menschen mit geringen Technikpotential und oft auf mit geringerer Kraft anderen im Kampf überlegen waren. Ihr Sieg resultierte einzig aus ihrem Willen.
In unserer multikulturellen Gesellschaft existieren z.B. verschiedenste Auslegungen von Männlichkeit und dem subjektiven Gefühl, wann der Einsatz von Gewalt angezeigt ist.
Flüchtlinge aus Kriegsgebieten, die Tot und Verderben hautnah erlebt haben, vielleicht über längere Zeit Hunger und Entbehrungen erleben mussten und überlebt haben, werden sicher weitaus effektiver zuschlagen können als der Webdesigner mit Büro in der Innenstadt.

„Technik“

Hat man den unbedingten Willen verinnerlicht, kann man sich die Frage nach der passenden Technik stellen. Grundsätzlich gibt es keine schlechten Stile. Manchmal gibt es schlechte Lehrer und oft schlechte Schüler.
Auch hier ist die Frage nach dem passenden Stil einfach und simpel:

„Der passende Stil ist der, bei dem ich mich wohlfühle!“

Ein Stil oder eine Kampfsportart sollte nie eine Technik gegen einen speziellen Angriff, sondern vielmehr ein Verteidigungsprinzip vermitteln. Eine Verteidigung gegen einen überraschenden Angriff erfolgt stets aus dem Unterbewusstsein.
Wenn der Gegner z.B. nach einem Angriff am Boden liegt und der Verteidigende kurz überlegt, was er gerade dafür genutzt hat, hat er instinktiv – also nach einem Prinzip - gehandelt. Wenn ich jedoch erst überlegen muss, mit welcher Technik ich den Faustschlag jetzt pariere, wird es wahrscheinlich schon zu spät sein. Tang Lang Quan, richtig gelernt, ist ein sehr effektives Kampfsystem. Tatsächlich gilt seine Beinarbeit als eine der komplexesten überhaupt!

Kampf ist Bewegung und die Fähigkeit, gleichzeitig die Beine des Gegners durch Hebel oder Feger zu bearbeiten, während die Hände schlagen, fesseln oder hebeln, macht die Effektivität unseres Stils aus.

Für den Willen braucht es einen Moment der Einsicht –
für die Technik Jahre der Übung!

Shifu Tim Otte

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